new generation
Am Ball bleiben
Ganz bestimmt erwartet jetzt jeder von mir, dass ich ein paar tolle Parallelen zwischen Sport und Glaube ziehe. Zum Beispiel: Wie im Ausdauersport braucht man im Glauben einen langen Atem. Oder: Auch seinen Glauben muss man «trainieren». Mir ist das irgendwie zu geistlich. Zu banal. Ich mag Sport einfach. Punkt. Und bin langsam in einem Alter, in dem man nach dem Sport spürt, dass man Sport getrieben hat. Leidenschaftlich gern spiele ich Volleyball. Auch Badminton, Squash, Tennis, Fussball und Unihockey tauchen abwechslungsweise immer mal wieder in meiner Agenda auf. Allgemein hat es mir so ziemlich alles angetan, was mit einem ballartigen Dings zu tun hat. Unglaublich, wie mich diese kugeligen Leder-, Gummi-, Filz- oder auch Federteile zu Höchstleistungen anspornen. Fürs Joggen, Biken oder für andere Ausdauersportarten fehlt mir schlicht der Biss: Schon nach zehn Minuten spüre ich meine Beine, und fast gleichzeitig taucht dabei die unauslöschliche und berechtigte Frage in meinem Kopf auf: Boppi, warum tust du dir das bloss an?! Nennt mich ruhig undiszipliniert und hängt mir einen labilen «Geist» an. Damit kann ich umgehen. Besser als mit Sportarten, deren Ziel mir nicht ständig vor Augen ist. Oder bei denen ich mich belügen muss, um Teilziele auszumachen.
Ein Ball im Sport hilft mir, den Fokus zu behalten und hält meine Motivation hoch. Ich kann problemlos zwei Stunden lang beim Beachvolleyball durch den Sand dem Ball nachhechten, um mich danach mit einem Krampf in beiden Beinen völlig erschöpft neben dem Spielfeldrand auf dem Rücken zu winden (blendet den ungesunden Aspekt dabei doch einfach mal grosszügig aus). Natürlich könnte ich die Anzeichen dafür bemerken. Aber der Ehrgeiz ist grösser, den nächsten Ball noch zu kriegen, und dann den nächsten, und dann den nächsten ... Ich lasse wohl ebenso viele Kalorien wie beim Joggen liegen, nur nehme ich die Anstrengung als solche gar nicht war. Ohne es eigentlich beabsichtigt zu haben, taucht da doch eine absolut wichtige Parallele zum Glauben auf: Wenn ich im Glauben einfach so draufloslebe, dann passiert es schnell, dass sich Dinge totlaufen und ich nicht mehr mag. Ich brauche wie im Ballsport diese ständigen kleinen Zwischenziele, diesen Ball vor Augen, der mich motiviert und mich ein ganzes Spiel hindurch zu Höchstleistungen anspornt. In meinem Glaubensleben sind das Begegnungen mit Gott und Begegnungen mit Menschen. Danach suche ich, danach strecke ich mich aus. Denn das motiviert mich, dranzubleiben, am Ball zu bleiben.
Was ist dein Ball? Wer ohne Teilziele im Alltag glauben will, muss Ausdauerspezialist sein.
- Andreas Boppart (Boppi) ist Eventprediger und Autor und leitet den Arbeitszweig campus generation ministry.






