Die drei Gämse
Rubrik: René Bregenzer
Farbe bekennen
Da stehen meine Frau Brigitta und ich dem wunderbaren Alpenpanorama gegenüber. Das gute Wetter gibt den Blick frei auf Hunderte tief verschneiter Bergspitzen, darunter deutlich zu erkennen: Eiger, Mönch, Jungfrau, dahinter Erhebungen der Diablerets und rechts die sanften Hügelzüge des Chasseral. Das Nebelmeer verdeckt den Blick auf die uns zu Füssen ruhenden Brienzer- und Thunersee, lässt aber die Alpen umso mächtiger im tiefblauen Himmel erscheinen. Es haben sich heute nur wenige Touristen auf das Brienzer Rothorn verirrt. So geniessen wir die Stille umso mehr und staunen über die grandiose Szenerie, die sich vor uns entfaltet.
Ich werde erinnert an die Stelle im Römerbrief 1, die ich kürzlich wieder einmal gelesen habe: Gott ist seit der Erschaffung der Welt deutlich zu sehen oder zu erkennen, wenn man nur seine Werke betrachtet. Wenn ich mal in Gottes Gegenwart bin, möchte ich den Herrn fragen, wie er dies alles so wunderbar und kraftvoll gemacht hat, wie er die mächtigen Gesteinsschichten zu solch kunstvollen Bergriesen aufgetürmt hat. Die drei Gämse, die auf einer schroffen Krete die warmen Strahlen der Morgensonne erwarten, scheinen sich darüber kaum Gedanken zu machen. Auch nicht darüber, dass man sie nun mit «ä» statt mit «e» schreibt. Ihre stramme Haltung verrät mir aber sehr wohl eine spezielle Art von Dankbarkeit und Anbetung ihrem Schöpfer gegenüber. Die lassen sie sich auch von der neuen Rechtschreibung nicht nehmen.
Es gebe für den Menschen keine Entschuldigung, Gott in der Schöpfung nicht deutlich zu erkennen und ihn nicht dafür zu ehren, meint Paulus. Ich will mir heute an den drei Gämsen ein Beispiel nehmen: Egal, was Menschen aus meinem «Namen» machen: Ich will es mir nicht nehmen lassen, für unseren grossen Gott hinzustehen und auf ihn aufmerksam zu machen. Die Schönheit unseres Landes, die so eindrücklich von Gott Zeugnis gibt, ist mir dabei immer wieder eine grosse Ermutigung.
René Bregenzer ist Mitglied der Missionsleitung von Campus für Christus.
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