Gott suchen
Rubrik: René Bregenzer
Farbe bekennen
Frisch vermählt brachen meine Frau Brigitta und ich zu einer vierzehnmonatigen Weltreise auf. Eines unserer erklärten Ziele war es, Gott zu suchen. Im alten, aufgemotzten VW-Bus tuckerten wir auf dem damaligen Hippie Trail durch den Nahen Osten Richtung Indien. Im Iran wollten wir meinen langjährigen Freund Urs treffen. Er hatte uns erzählt, dass er eine Gottesbegegnung gehabt hätte, die sein Leben völlig auf den Kopf gestellt habe. Wir wollten mehr wissen. Und tatsächlich, schon beim ersten Treffen wurde uns klar: Mit Urs ist etwas Grundlegendes geschehen.
Seine Umkehr forderte mich gewaltig heraus, und so sagte ich zwei Wochen später zu Gott - im Bewusstsein meines harten Schädels -, er solle mir doch ein starkes Zeichen geben, um mir klarzumachen, dass er auch mir begegnen wolle. Gesagt, geschehen. Zwei Tage nach diesem Gebet lag ich gehunfähig in einem Lazarett, nahm innerhalb einer Woche zwölf Kilo ab, trug in mir aber die Gewissheit: Gott war daran, mir in der Tiefe zu begegnen. Dass es so handgreiflich geschehen würde, hat mich dann aber doch überrascht.
Einige Wochen später, wir waren gerade in Pakistan angekommen, stiess ich beim Lesen der Bibel auf eine Stelle im Johannesevangelium, Kapitel 3. Hier las ich, dass es keinen Zutritt zum Reich Gottes gebe, es sei denn, man werde «wiedergeboren» oder «von Neuem geboren». Beim Lesen dieser Worte kam mir jene gläubige Klosterfrau aus Paris in den Sinn, die mir vor Jahren gesagt hatte, mein Name René heisse «der Wiedergeborene», mir diese Erfahrung aber noch fehle.
Was mit der Wiedergeburt gemeint ist, sollte ich erst ein Jahr später begreifen: Brigitta und ich waren von der Weltreise, die uns bis nach Japan geführt hatte, zurückgekehrt. Die Sache mit Gott liess uns weiterhin keine Ruhe. In einer sogenannten Evangelisation in Schaffhausen fiel es uns dann wie Schuppen von den Augen: Im Gebet legten wir unser Leben in die Hände von Jesus und erfuhren, wie uns der Heilige Geist erfüllte und er all das, was wir erst mit dem Kopf gewusst hatten, im Herz lebendig – eben von Neuem geboren – werden liess. Noch ahnten wir nicht, dass Gott uns damit erst in das eigentliche Lebensabenteuer mit Jesus schickte. Aber wir staunten, wie Gott unser Suchen nach ihm belohnt hatte – ja, wie er im Grunde die ganze Zeit nach uns gesucht hatte.
René Bregenzer ist Mitglied der Missionsleitung von Campus für Christus.
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