Sei ein Egoist und gib!
Rubrik: Boppi
new generation
Von Natur aus bin ich nicht wirklich mit Grosszügigkeit gesegnet. Ich würde meinen letzten Energydrink im Kühlschrank eher noch schnell im Gemüsefach unter den Karotten verstecken, als ihn einem danach lechzenden Gast anzubieten. Nur macht man das ja nicht, als netter Christ. Ich schon. Nur gelingt es meist nicht. Das liegt daran, dass da oft gar keine Karotten als Versteck existieren, weil bei meinen Einkäufen der gesunde Part nicht selten vergessen geht. Ginge es jedoch darum, meinem Gast die letzte Karotte anzubieten, dann hätte ich mit Grosszügigkeit überhaupt kein Problem. Ich würde gleich auch noch den Broccoli und die halbe Schrumpelgurke obendrauf legen. Falls es die tatsächlich einmal vom Supermarktregal bis zu mir geschafft haben. Grosszügigkeit hat somit nicht nur etwas mit Veranlagung zu tun, sondern auch, woran mein Herz hängt. «Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein» (Lukas 12,34).
Ich geb's zu: Gäbe es «Die Schweiz sucht den Superchrist», kassierte ich wohl ein Erstrunden-Out mit dreifachem «Leider nein». Wenn da nicht der Faktor Gott wäre. Er hat mein Herz doch schon ziemlich verändert und mich so weit gebracht, dass es mir nicht selten richtig Spass macht, Menschen zu beschenken. So versuche ich nun mit Tamara, meiner Frau, einen Lebensstil des Gebens zu leben. Und das nicht nur beim Gemüse, sondern auch dort, wo es um Geld oder Zeit geht. Ermutigend sind dabei die Begegnungen, die Auswirkungen – und meinen Egoismus kann ich dabei auch noch herrlich ausleben. Gott lädt uns in Maleachi 3,10 auch deutlich dazu ein: «Bringt den zehnten Teil eurer Ernte in vollem Umfang in den Tempel ...! Stellt mich auf die Probe ...! Denn ich verspreche euch, dass ich dann die Schleusen des Himmels öffne und euch mit allem überreich beschenke.»
Das ist göttliches Prinzip. Nicht, wer sich panisch an sein Geld, seine Konten und seinen Besitz klammert, wird gesegnet, sondern es läuft laut Lukas 6,38 genau umgekehrt: «Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfliessendes Mass wird man in euren Schoss geben; denn eben mit dem Mass, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.»
Ich erlebe genau das. Nicht immer, aber immer öfter. Vielleicht kommt sein Segen in einer unerwarteten Währung zurück, aber Gottes Segen ist immer gut, ich möchte ihn nicht mehr missen. In diesem Sinne kann ich von ganzem Herzen Egoist sein – und geben!
Andreas Boppart ist Eventprediger und Autor und arbeitet im Arbeitszweig campus generation ministry.
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