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Hilfe, ich komme zu kurz!

Rubrik: Boppi

Autor: Andreas Boppart

new generation

Manchmal überfallen sie mich wieder unverhofft, die Symptome einer der weitverbreitesten Krankheiten. Es ist weder die Vogelgrippe noch die Maul- und Klauenseuche, nein, es ist: die Hilfe-ich-komme-zu-kurz-Verstopfung. Sie fühlt sich an wie jene Erfahrung in meiner Jugendzeit, als ich mit einem Freund am Mittwochnachmittag eine Tüte Paprikachips zu teilen hatte. Während ich genüsslich jede gebrutzelte Kartoffelscheibe einzeln herauspickte, sie mir einverleibte und möglichst den vollen Geschmack eines jeden guten Stücks im Gaumen entfalten liess, schaufelte er gleich ganze Hände voll in die Backen. Hilfe, ich komme zu kurz!

 

Die HIKZK-Krankheit gleicht einer Pandemie, die sich durch alle Altersschichten hindurch hartnäckig hält und den Lebenskanal verstopft. Und tatsächlich, der Mensch kommt zu kurz – er kriegt nie genügend Liebe, ausser er zapft an der wahren Liebesquelle an! Während meiner Arbeit in einem Justizheim wurde mir bewusst, was diese «harten» Jungs wirklich hatten – hart gewordene Herzen, die sich danach sehnten, durch Liebe aufgeweicht zu werden! Wöchentlich begegne ich Jugendlichen, die in einer Gesellschaft aufwachsen, in der nicht Wasser, Geld oder Materielles Mangelware ist – sondern Liebe! Jugendliche, die daran zerbrechen, dass ihr Bedürfnis nach Liebe nicht gestillt wird, weil Eltern damit beschäftigt sind, ihr eigenes Leben auf die Reihe zu kriegen. Nicht zufällig ist eine der häufigsten Fragen, die ich zu hören bekomme: «Wo soll da noch ein liebevoller Vater im Himmel sein?» Wir leben in einer Gesellschaft, die das Lieben verlernt hat. Kein Wunder, wenn sie den, der Liebe ist, so weit wie möglich von sich fernhält!

 

Und wir Christen? Wie HIKZK-verstopft sind wir? Sind wir nicht oft so beschäftigt, uns gegenseitig «liebevoll» zurechtzuweisen, dass wir keine Zeit zum Lieben finden? Nichts mit «an eurer Liebe wird man euch erkennen» (Johannes 13,35).

 

Die Menschen brauchen weder krassere Predigten noch perfekteren Worship. Sie brauchen weder Vorzeigekirchen noch weitere Problemlösung-in-fünfzig-Schritten-Schmöker. Die Welt braucht einfach wieder Christen, die in jeder Beziehung entstopft sind, Christen, die die Liebe Gottes ungehindert in die Gesellschaft hineintragen – und sie weder in ihren Gemeinden bunkern noch sich gegenseitig um die Ohren klatschen.

 

Andreas Boppart (Boppi) ist Eventprediger und Autor und leitet den Arbeitszweig campus generation ministry.


 

 

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