Das Zufahrtssträsschen
Rubrik: René Bregenzer
Farbe bekennen
«Ankunft am Ziel auf der rechten Seite», meinte kürzlich die freundliche Stimme des GPS, und ich sah auf dem kleinen Bildschirm, wie ich ins «Nichts» hinausfuhr. Die kleine Privatstrasse zum Haus meiner Mutter ist auf der elektronischen Karte nicht erfasst. Diese Privatstrasse, schlecht gewartet durch die Nachbarn, liess keine guten Erinnerungen in mir hochkommen: Erlebnisse von Neid und Eifersucht, von aktivem «Zleidwerken», von fehlender Gemeinschaft, von Ablehnung.
Zu Hause angekommen, waren es aber die aufmunternden und versöhnenden Worte meiner Mutter, die mich rasch zu Gedanken des Friedens zurückbrachten. Eigentlich beschämend für mich, war es doch gerade meine Mutter, die – nicht nur wegen dieser Privatstrasse – über Jahrzehnte mit nachbarschaftlichen Unannehmlichkeiten konfrontiert war und oft die steinigsten Wege gehen musste. «Mit Gottes Hilfe lässt sich dies wohl machen», meinte sie so nebenbei. Erneut zum Nachdenken angeregt, ging mir durch den Kopf, wie Gott sich meiner Frau und mir gegenüber vor gut 31 Jahren barmherzig gezeigt hatte, sich mit uns versöhnte und uns den speziellen Dienst der Versöhnung übertrug.
Zwei Stunden später wieder auf dem Heimweg: Das kleine Zufahrtssträsschen war nicht in besserem Zustand, wohl aber mein Herz und meine Gedanken. Ich war und bin froh zu wissen: Der Weg der Versöhnung ist weder ein Weg ins «Nichts» hinaus, noch ein Strässchen in traurigem Zustand, wohl aber ein Weg heim ins Vaterhaus. Welch spezielle Aussicht! Die kleine Begegnung mit meiner Mutter und unserem Gott war für mich ein weiterer Lernschritt zu einem versöhnten, einem versöhnlichen Leben.
René Bregenzer ist Mitglied der Missionsleitung von Campus für Christus.
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