Der andere Ruf zum Priester
Rubrik: René Bregenzer
Farbe bekennen
Hineingeboren in eine katholische Grossfamilie, war es für mich von früher Kindheit an völlig normal, dass es Menschen gibt, die Priester sind. In jungen Jahren diente ich selbst als Ministrant und fragte mich mit zwölf Jahren, welchen Weg ich denn in Zukunft einschlagen sollte: eine Priesterlaufbahn oder einen beruflichen Weg? Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich mitten in dieses Fragen hinein eines Morgens auf dem Weg in die 6. Primarschule Gottes Reden sehr deutlich vernahm: «Bete für eine gute Frau!» Damit war klar, meine Berufung war nicht die eines katholischen Priesters. Vielmehr war ab diesem Zeitpunkt mein abendliches Gebet stets die Bitte an Gott für eine gute Frau. Ich traf meine Brigitta mit achtzehn Jahren, und wir sind seit über dreissig Jahren glücklich miteinander verheiratet. Gott schenkte uns darüber hinaus vier wunderbare Kinder.
Erst mit vierundzwanzig Jahren, nach meiner bewussten Lebensübergabe an Jesus Christus, erweiterte sich mein Verständnis, was ein Priester auch noch ist: Ein Mensch, der mit Gott in Verbindung steht und Mitmenschen mit Gott in Verbindung bringt – eine Lebensberufung, in der alle Christen stehen dürfen, der Ruf zu einem königlichen Priestertum.
Diesen Ruf zu verwirklichen, bot mir das Leben – und Gott – vielfältige Möglichkeiten. So durfte ich im Berufsleben als Ingenieur viele Menschen im In- und Ausland mit der frohen Botschaft in Berührung bringen. Zusammen mit Brigitta erreichten wir eine grosse Zahl von jungen Menschen in Lagern und begleiteten sie in ihr Erwachsenenleben hinein. Unsere Kinder wurden selbst Zeugen von Gottes Handeln. Sie erlebten mit, wie sich Menschen, die bei uns ein und aus gingen und oft mit schwierigen Lebensumständen zu kämpfen hatten, veränderten. Sie waren dabei, als es galt, eine Nachbarin zu Jesus zu führen oder später ihrem sterbenden Vater das letzte Geleit zu geben und zu erfahren, wie er noch auf dem Sterbebett Gottes Gnade erfassen durfte.
Eigentlich ist es heute mit diesem Priesterdienst für Brigitta und mich ganz einfach geworden: Es geht nur darum, dass wir uns täglich von Gott in seine vorbereiteten Werke mit hinein nehmen lassen.
René Bregenzer ist Mitglied der Geschäftsleitung von Campus für Christus.
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