Lebensfreude
Rubrik: Boppi
new generation
Eigentlich habe ich mich hingesetzt, um etwas über Lebensfreude und Lachen zu schreiben. Meine bereits rot geränderten, brennenden Augen starren nun doch schon eine Ewigkeit auf das imaginäre Wordpapier, auf dem schwarze Buchstaben erscheinen, um dann auch gleich wieder zu verschwinden. Die Suche nach dem «Jetzt-bin-ich-mal-lustig-Knopf» hab ich schon längst aufgegeben. In meinem Kopf kreisen Gedanken um Lukas, den fünfzehnjährigen Jungen, den ich eigentlich gar nicht kenne. Er kannte mich. Oder zumindest meine Blogs. War an einem meiner Events. Marianne, seine Mutter, schreibt in einem E-Mail von seiner Begeisterung für meine Arbeit. Und dankt. Doch dann plötzlich, ein paar Zeilen weiter, das Unerwartete: «Am letzten Dienstag wurde Lukas durch einen Verkehrsunfall aus diesem irdischen Leben genommen.» Ich schlucke leer und kämpfe gegen die Tränen. Was mich jedoch nebst Mitleid und Trauer zutiefst bewegt: Im ganzen E-Mail ist kein einziges verbittertes Wort herauszulesen. Nicht mal zwischen den Zeilen. Marianne fährt fort, mich zu ermutigen. Irgendwas läuft verkehrt. Ich müsste sie doch ermutigen und trösten?! Ich schreibe zurück, und wir lernen uns per E-Mail und Telefon ein bisschen kennen. Ja, da ist Trauer. Aber noch viel stärker spürbar auch dieser Trost, dass Lukas völlig in Gott verankert gewesen ist und sein Glaubensfeuer gelodert hat. Sein Bildschirmschoner zeigte den Vers von Römer 8,28: «Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.»
Marianne schreibt, wie sie gerade kürzlich mit Lukas einen meiner Blogs angeguckt habe, in dem ich über den wunderbaren Himmel schwärme. Und wie sie gemeinsam über den Schlusssatz gelacht hätten: «... ich freue mich darauf ... ich hoffe, man sieht sich!» Jetzt ist das, was wir erst glauben, für Lukas bereits Realität geworden. Es ist diese Hoffnung und das Wissen um unsere Zukunft, eine ewige Zukunft, die Marianne und ihrem Mann Kraft gibt und sie antreibt, diese Hoffnung anderen ebenfalls zuzusprechen. «Ich fühle mich wirklich mega umgeben von der Liebe Gottes – echt! Und er gibt mir immer wieder die nötige Kraft!» Beeindruckend. Bewegend. Ihr Herz brennt dafür, dass gerade auch ihre Schüler (sie unterrichtet als Religionslehrerin) durch das Ereignis erkennen, dass sie diesen Jesus brauchen, um Lukas wieder einmal zu begegnen. Für immer. Marianne schreibt: «Es ist mir ein Riesenanliegen, dass sich die Kinder und Jugendlichen jetzt gerade auch durch dieses Ereignis nicht enttäuscht von Gott abwenden, sondern sich erst recht an ihm festhalten und in seinen Armen Trost suchen.»
Plötzlich bin ich da, wo ich ursprünglich mit meinen Gedanken hinwollte: Lebensfreude! Lebensfreude ist nicht abhängig von Trauer, Erfolg, Frust, Schicksal oder Humor. Lebensfreude findet sich da, wo Menschen zu dieser unzerstörbaren Hoffnung gefunden haben, die Gott uns in der Bibel vermittelt. Lukas ist jetzt da, wo er bereits sieht, was wir hoffen. Und meine Lebensfreude wird durch die unbeschreibliche Tatsache geschürt: Ich werde Lukas doch noch kennenlernen! Ganz bestimmt!
Andreas Boppart (Boppi) ist Eventprediger und Autor und leitet den Arbeitszweig campus generation ministry.
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