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Gesunde Gemeinde

Rubrik: Boppi

 

new generation

Da sitz ich an einem Sonntagmorgen friedlich in einer Predigt und fühl mich extrem angesprochen. Nicht, dass ich überrascht über diese Tatsache wäre. Denn eigentlich ist es ja genau das, was ich mir von einer Predigt erhoffe – dass ich sie mir nicht Sonntag für Sonntag selber schön in den Alltag reinreden muss, sondern dass da ein Ansatz von göttlicher Offenbarung ist, der mich inspiriert. So sitz ich also da in dieser Predigt und bin bewegt. Während dem letzten Song in der Anbetungszeit nach der Predigt zück ich mein Mobile – obwohl mir bewusst ist, dass das natürlich geistlich gesehen streng verboten ist und ich dafür in einigen Denominationen mein Seelenheil einbüssen könnte – und schreibe meinem Papa, dass er und Mama unbedingt am Abend auch in den Gottesdienst gehen sollen. Die Predigt sei der Hammer und der Worship sowieso zum Abschweben. Keine Minute später kommt eine SMS zurück: «Wir sind auch da.» Ich dreh mich um und seh die beiden bloss zwei Reihen hinter mir grinsen.

 

Das, genau das ist gesunde Gemeinde, wird mir bewusst. Eine Kirche, die mir nicht einfach ein wohliges Gefühl verschafft, sondern die mich total begeistert und meine Nachfolge als Christ derart unterstützt, dass ich nicht anders kann, als andere mit in diese gesundmachende Gemeinschaft zu nehmen. Bildlich gesprochen heisst das: Gesunde Gemeinden sollten Kirchen sein, in denen wir während dem Gottesdienst Gott begegnen können und gleichzeitig unseren Freunden und Familien SMS schreiben, weil wir sie am liebsten hier neben uns auf dem Sitz haben möchten. Aber nicht etwa die Masche: Super, was der da predigt, dass müsste mein Freund hören – mich betrifft es ja überhaupt nicht ...

Eigentlich ist ja der Titel «Gesunde Gemeinde» etwa ebenso passend wie «Schnelle Schnecke», «Subjektive Theologie» oder «Multitasking Mann». Kirchen und Gemeinden sind oft alles andere als gesund. Ich rede dann gerne über die Probleme der Gemeinde, um mich mit meinen eigenen Problemen hinter dem unpersönlichen Begriff zu verstecken. Die perfekte Gemeinde gibt es einfach nicht. Nicht, solange du und ich dort Mitglieder sind. Nur wollen wir oft nicht wahrhaben, dass wir an uns zu arbeiten haben, da es einfacher ist, ständig an neuen Kirchenmethoden und –strukturen zu basteln. Und wenn ich als Eventprediger so durch diese Gemeindeprärie reite wie Lucky Luke durch seine Comics, dann scheint es, dass wir Christen bei unseren oft lottrigen Gemeinden auch sehr viel Energie und Farbe investieren, um die prunkvollen Fassaden in Schuss zu halten.

 

Dort, wo Kirche nicht als Selbstzweck betrieben wird, sondern zum Ziel hat, Christen zu fördern, als Gesandte in eine Gesellschaft hineinzuwirken, dort beginnt Kirche zu gesunden. Dort, wo Kirche den Fokus von sich weg hin zu den Menschen und Gruppierungen lenkt, zu denen sie gesandt ist, dort beginnt Kirche zu gesunden.

 

Das hat nichts mit der Form von Kirche zu tun, ob anziehende Jugendkirche oder kontemplative Hauskirche – es geht vielmehr um das Bewusstsein, dass Jesus uns sendet, wie der Vater ihn gesandt hat (Johannes 20,21).

 

Dort, wo ich mein Herz und meine verbogenen Ansichten von Jesus heilen lasse, wird auch Kirche gesund. Und wenn wir an den Punkt gelangen, an dem wir so begeistert von unserer lebendigen Gemeinschaft sind, dass wir mitten im Worship Menschen dabeihaben möchten – was, wie gesagt, natürlich völlig unangebracht ist –, dann bewegen wir uns mitten in einem pulsierenden und gesunden oder zumindest gesundenden Umfeld.

 


 

 

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