Seit 2001: Studentengemeinde Campus live in Zürich
Rubrik: CAMPUS live
«Studierende suchen eine Heimat, einen Ort der Gemeinschaft und der Zugehörigkeit. In einem solchen Rahmen sind sie am ehesten bereit, Schritte im Glauben zu wagen und ihre Gaben einzusetzen», erklärt Urs Wolf. Ein Grund, weshalb er vor neun Jahren in Zürich die Studentengemeinde CAMPUS live gründete.
Urs Wolf ist seit 1986 aktiv in der Studentenbewegung und verantwortet heute als Bereichsleiter an mehreren Universitäten Arbeiten für Studierende. Die Leitung der Zürcher Studentengemeinde hat er im April 2009 an Caroline, eine langjährige Mitarbeiterin mit abgeschlossenem Wirtschaftsstudium, übertragen.
Verantwortung anvertrauen
«Der Jüngerschaftsgedanke, nämlich Menschen in die praktische Nachfolge von Jesus zu begleiten, ist uns wichtig», sagt Urs Wolf. «Manchmal helfen neue Besucher bereits nach zwei bis drei Wochen selbst wieder bei Anlässen mit, sei es am Empfang oder bei der Vorbereitung des Essens. So geben wir allen eine Chance, ihre Gaben einzubringen.» So hätten einige bei CAMPUS live zu predigen begonnen, engagierten sich im Lobpreisteam oder leiteten erstmals eine Kleingruppe. Studierende berichten, sie hätten sich früher nicht zugetraut, vor so vielen Menschen zu sprechen oder eine Gruppe zu leiten. Jede Person, die zum Glauben findet, erhält eine Studentin oder einen Studenten zur Seite, die bzw. der sie auf dem Weg des Glaubens begleitet. Nach einigen Monaten erzählen diese jungen Christen anderen von ihren Erfahrungen und tragen auf diese Weise das Evangelium weiter.
Multiplikatoren fördern
«Für die Sommerprojekte im In- und Ausland wollen wir Studierende als Leiter einsetzen, die ihre Teams führen. So wachsen sie in Führungsaufgaben hinein», betont Urs Wolf. Damit fördere die relativ kleine Gemeinde in Zürich Studierende als Multiplikatoren für Aufgaben im Reich Gottes: «Letzten März begleitete mich ein Team nach Bologna in Italien, um dort an der Universität das Seminar ‹Erfolgreich studieren› durchzuführen und Mitarbeitende zu schulen.» Im Juni werde ein Team amerikanischer Studenten mit koreanischer Abstammung nach Zürich reisen, um das Team um Caroline zu unterstützen und die Arbeit unter Studierenden kennenzulernen. Im August werden Urs Wolf und Manuel Rapold in die Elfenbeinküste reisen, um dort Professoren und Mitarbeitende der Studentenarbeiten aus fünf afrikanischen Ländern zu schulen und zu unterstützen.
Gaben trainieren
Urs Wolf erzählt, eine Studentin und ein Student, die beide vor einem Jahr am Seminar «Erfolgreich studieren» teilgenommen hatten, seien beim letzten Seminar Ende Februar bereits als Referenten aufgetreten. «Wer sich neben dem Studium im Reich Gottes engagiert, erhält nicht nur Handwerkszeug für ein späteres Engagement in einer Gemeinde, sondern auch wertvolles Training für die berufliche Zukunft.»
Beziehungen sind wichtiger geworden
Laut Caroline hiess für am Glauben interessierte Menschen das Motto früher «believe – belong», also zuerst glauben und sich danach einer Gruppe von Christen anschliessen. Heute wolle jemand zuerst dazugehören und setze sich später mit Glaubensfragen auseinander. «Neue Studierende kommen mit Freunden oder Bekannten, weil sie Beziehungen, Freunde und Gemeinschaft suchen», so Caroline. «Sie erfahren bei uns Annahme, Respekt und Wertschätzung und müssen sich Anerkennung nicht durch Leistung erarbeiten.»
Verbindliche Kleingruppen
Wer sich für den christlichen Glauben interessiere, besuche einen LiFe- oder einen Alphalive-Kurs, erklärt die Studentenpastorin. Wer sich verbindlich mit dem Glauben auseinandersetzen wolle, könne sich einer Kleingruppe anschliessen – einer sogenannten Houselive-Gruppe. In diesen Gruppen treffen sich Studierende wöchentlich. Sie kochen und essen gemeinsam, später lesen sie die Bibel, singen und diskutieren.
Ein Blick zurück
Urs Wolf übernahm nach seinem Chemiestudium 1986 die Leitung der Studentenbewegung in Zürich von Pfarrer Urs Schmid. Bis 1990 stiessen diese Angebote an der Universität und an der ETH auf reges Interesse. Unter der Woche versammelten sich bis zu 250 Personen zu den Gottesdiensten für Studierende. «Doch in den Neunzigerjahren änderte sich die Kultur», berichtet Urs Wolf. In der Postmoderne scheine es viele Wahrheiten zu geben. Absolut dargestellte Werte würden kritischer geprüft als zuvor. Die Frage laute nicht länger «Was ist die Wahrheit?», sondern vielmehr «Wie kann ich profitieren?». Studierende wollten keine Dogmen hören, sondern Antworten auf ihre Fragen erhalten und Erfüllung finden für ihre Bedürfnisse nach Liebe, Erfahrung, Identität und Persönlichkeit. Interessierte wünschten, Erlebnisse zu hören und in das Leben von Christen hineinzuschauen. Diese Veränderungen liessen die Teilnehmerzahlen in der Studentenarbeit in Zürich zwischenzeitlich auf ein Dutzend Aktive schrumpfen.
Wie weiter?
Umfragen unter Studierenden zeigten: Viele fühlen sich zerrissen zwischen Wohnort, Kirche und Studium in einer fremden Stadt. Sie suchen eine Heimat, Beziehungen, Freunde und Gemeinschaft. Viele bekundeten, sie hätten am Sonntag eher Zeit, eine Veranstaltung zu besuchen als unter der Woche. Deshalb wurde im März 2001 CAMPUS live als Gemeinde für Studierende an der ETH und der Universität gegründet. Aktuell besuchen vierzig Personen alle zwei Wochen am Sonntagmorgen den Gottesdienst. «Das Umfeld der Hochschule bringt es mit sich, dass diese Gemeinde wie ein Durchlauferhitzer funktioniert», erklärt Urs Wolf. «Studierende zählen sich drei bis sechs Jahre dazu und ziehen aufgrund beruflicher Anforderungen später weiter, deshalb beginnen wir früh, sie für neue Aufgaben zu ermutigen und sie mit ihren Gaben einzusetzen.»
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