Jähzorn
Rubrik: René Bregenzer
Farbe bekennen
Herrsche ich im Leben, oder werde ich beherrscht? Wenn Letzteres zutrifft, mag es peinlich sein, sich das einzugestehen, aber es ist heilsam und der erste Schritt zur Veränderung.
Jähzorn war so ein Bereich in meinem Leben, der mich beherrschte. Wenn ich «hochfuhr» und kochte, war es in meiner Nähe alles andere als angenehm. Nur zu genau steht mir noch jener Tag vor Augen, als mir beim Montieren unserer Bücherwand ein Brett auf den Kopf fiel. In mir explodierte es. Kurzerhand und voller Zorn schoss ich das Brett durch die Wohnstube. Ein Glück, dass niemand im Weg stand. Aber o weh, rund zwanzig Stücke feinen Redwood-Furniers waren vom Brett abgebrochen und lagen verstreut in der Stube herum; und die Seitenwände des Büchergestells markierten mit hellen Streifen den Ort, an den das Brett eigentlich hingehört hätte. Was nun? So weiterzufahren machte keinerlei Sinn.
Mir fiel nichts anderes ein, als einfach zu beten, Gott möge mich doch vom Jähzorn befreien. Zwischen den Gebeten klebte ich zwei Stunden lang sorgfältig alle Stücke wieder zusammen, brachte das Brett erneut in Position, und schliesslich war die Wohnwand aufgebaut.
Gott erhörte mein Gebet. In meiner Not kam er mir in besonderer Weise zu Hilfe: Bei weiteren Anfällen, die sich anbahnten, wurde ich jeweils durch ein Ohrensausen frühzeitig auf meinen inneren Gemütszustand aufmerksam. So lernte ich mich regelmässig zurückzunehmen. Dieses «Reden Gottes» hielt volle zwei Jahre an, eine Zeit, die ich brauchte, um in diesem Lebensbereich vom Beherrschtwerden ins Herrschen zu kommen. Nach Jahren erinnerte mich nur noch das lädierte Brett in der Wohnwand an meinen letzten grossen Wutanfall. Nicht dass ich mich immer «im Griff» hätte, aber es ist markant ruhiger geworden – Gott sei Dank.
- René Bregenzer ist Mitglied der Missionsleitung von Campus für Christus.
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