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Wo die Studenten eine Heimat finden

Rubrik: CAMPUS live

Autor: Manfred Kiener / Erstpubliktion in: idea Spektrum, 20. Januar 2010

Auch an der Hochschule gibt es ein Gemeindeleben. «Studierende suchen eine Heimat, einen Ort der Gemeinschaft und der Zugehörigkeit», erklärt Urs Wolf.

Gottesdienst von Campus live

Gottesdienst von Campus live

«Im Rahmen einer Gemeinschaft sind sie am ehesten bereit, Schritte im Glauben zu wagen». Urs Wolf ist seit 1986 aktiv in der Studentenbewegung und gründete vor bald neun Jahren die Studentengemeinde Campus live in Zürich.

 

Urs Wolf übernahm nach Abschluss seines Chemiestudiums 1986 die Leitung der Studentenbewegung von Campus für Christus in Zürich von Pfarrer Urs Schmid. Bis 1990 stiessen die Angebote an der Universität und an der ETH auf reges Interesse. Studierenden trafen sich in 40 Kleingruppen zum Austausch über Texten der Bibel. An einem Abend unter der Woche versammelten sich bis 250 Personen zu den Gottesdiensten für Studierende.

 

Teilnehmerzahlen schrumpften

«Doch in den 1990er Jahren änderte sich die Kultur», berichtet Urs Wolf. In der Postmoderne zähle nicht länger eine einzige Wahrheit, es scheine viele Wahrheiten zu geben. Die als absolut dargestellten Werte würden kritisch geprüft. Die Frage heisse nicht länger: «Was ist die Wahrheit?» sondern vielmehr: «Wie kann ich profitieren?» Studierende wollten keine Dogmen hören, sondern Antworten erhalten auf ihr Bedürfnis nach Liebe, nach Erfahrungen, nach einer eigenen Identität und Persönlichkeit. Interessierte wünschen, persönliche Erlebnisse zu hören und in das Leben von Christen hineinzuschauen, um zu prüfen, ob das Evangelium für sie passe. Diese neue Situation liess die Teilnehmerzahlen in der Studentenarbeit in Zürich auf ein Dutzend Aktive schrumpfen.

 

Wie weiter?

Gemäss Urs Wolf zeigten Umfragen unter Studierenden in Zürich: Sie fühlen sich oft zerrissen zwischen ihrem Wohnort, ihrer Kirche und dem Studium an der Uni in einer fremden Stadt. Sie suchen eine Heimat, Beziehungen, Freunde und Gemeinschaft. Viele bekundeten, sie hätten am Sonntag eher Zeit, um eine Veranstaltung zu besuchen, als unter der Woche. So gründeten Urs Wolf und seine Mitarbeiterin Caroline im März 2001 Campus live als Gemeinde für Studierende an der ETH und Universität. Aktuell besuchen 40 Studierende alle zwei Wochen am Sonntagmorgen den Live-Gottesdienst. «Das Umfeld der Hochschule bringt es mit sich, dass diese Gemeinde wie ein Durchlauferhitzer funktioniert: Studierenden zählen sich drei bis sechs Jahre dazu und ziehen aufgrund beruflicher Anforderungen später weiter», erklärt Urs Wolf.

 

Beziehungen wurden wichtiger

Laut Caroline, welche Campus live seit April 2009 leitet, hiess das Motto früher «believe – belong», also zuerst glauben und sich danach einer Gruppe von Christen anschliessen. Heute wolle jemand zuerst dazugehören und setze sich später mit Glaubensfragen auseinander. «Neue Studierende kommen mit Freunden oder Bekannten vorbei, weil sie Beziehungen, Freunde und Gemeinschaft suchen», so Caroline. «Sie sind dabei, verfolgen das Geschehen, trinken Kaffee am Schluss und geniessen das Zusammensein. Sie erfahren Annahme, Respekt und Wertschätzung. Sie müssen sich die Anerkennung anderer nicht durch Leistung erarbeiten.»

 

Verbindliche Kleingruppen

Wer sich für den christlichen Glauben interessiere, könne einen einen LiFe- oder einen Alphalive-Kurs besuchen. Wer sich verbindlich mit dem Glauben auseinandersetzen will, kann einer Kleingruppe, einer sogenannten Houselive-Gruppe beitreten. In diesen Gruppen treffen sich Studierende wöchentlich, kochen und essen gemeinsam. Bei Diskussionen über Glaubensfragen sowie Gebet und singen verbringen sie den weiteren Abend.

 

Neue erhalten Begleitung

«Der Jüngerschafts-Gedanke ist uns wichtig», sagt Urs Wolf, der heute als Bereichsleiter mehre Arbeiten an Universitäten verantwortet. «Bereits nach zwei bis drei Wochen können neue Besucher an Anlässen mithelfen und sei es nur am Empfang oder bei der Vorbereitung des Essens.» Jede Person, die zum Glauben finde, erhalte eine Studentin oder einen Studenten zur Seite, der sie begleite auf dem Weg des Glaubens. Nach einigen Monaten würden diese Personen anderen von ihren Erfahrungen erzählen.

 

Gemeindegründer gesucht

Aufgrund der guten Erfahrungen soll das Zürcher Modell von Campus Live Schule machen: Urs Wolf und Caroline wünschen sich Gemeinden für Studierende an weiteren Universitäten in der Schweiz. «Dies wäre eine Chance für Persönlichkeiten mit einem Herz für Gemeindegründung: An den Universitäten macht sonst niemand so etwas.» Sie könnten, unterstützt mit erfahrenen Personen aus Zürich, neue Studentengemeinden gründen.

 

Weitere Informationen zu CAMPUS live »

 


 

 

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