Werbungen für Zigarren und Kaviar buhlen um meine Aufmerksamkeit. Herren im Anzug hetzen mit ihren schic ken Rollkoffern an mir vorbei. Eine junge Frau verrenkt sich für das perfekte Selfie. Ich steige ins Flugzeug.
Ich verlasse das Flugzeug und steige die Treppe zum Roll feld hinunter. Es ist gleissend hell. Meine Seele saugt das Licht auf wie ein Schwamm. Freundliche Be amte begrüssen mich. Sie prüfen meinen Impfausweis und mein Visum.
Ich habe stechende Kopfschmerzen. Im Eiltempo versuche ich, die kulturellen Eigenheiten der Menschen in Ouagadougou zu erfassen: wie sie sich kleiden, sich begrüssen, sprechen, bewegen. Welche Tischma nieren als höflich gelten. Und wie ich mich als Frau zu verhalten habe. Ich halte meine Beobachtungen im Tagebuch fest. Irgendwie muss ich meinen Kopf frei bekommen. In 30 Minuten beginnt das Seminar «Erfolgreich Studieren – Training für Trainer». Ich werde heute zum ersten Mal selbst eine Lektion unterrichten.
Nach diesen wenigen Tagen kommt es mir vor, als hätte mich jemand in einen Dokumentarfilm gebeamt. Die Bilder sind zwar vertraut, werden aber stets durch neue Geräusche und Gerüche ergänzt. Und durch Men schen. Ich wohne bei Badiou und Haoua, unseren einheimischen Partnern. Als meine Kulturführer beantworten sie meine Fragen und helfen mir dabei, meine Beobachtungen einzuordnen. Wir sprechen über Teenies, Strassenverkehr, nigerianische Filme, Haarausfall und Re zepte. Und darüber, wie sie versuchen, ihre Termine in den Griff zu kriegen, und über Herausforderungen in familiären Beziehungen. Vielleicht ist ihre Welt ja doch nicht so anders?
Die Waschmaschine rattert und wäscht den afrikani schen Staub aus meinen Kleidern. Währenddessen versuche ich, den Eindrücken aus der vergangenen Woche hinterherzukommen. In meinem Tagebuch halte ich fest: «Auf der nächsten Reise unbedingt mehr Zeit für den Übergang von der einen in die andere Kultur einplanen!» Ob 24 Stunden mehr wohl reichen?

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