In 29 Dörfern leben über 1200 Familien und rund 6000 Menschen. Über die Hälfte des Weges führt über eine Naturstrasse, die während der Regenzeit teilweise unpassierbar wird. William nutzte die Zeit, um mehr über kleine, fleissige Insekten zu erfahren, die sich in unserem Innenhof – mitten in der Stadt Santa Cruz – angesiedelt hatten: die einheimische Biene Tetragonisca angustula. Wir nennen sie auch «Señorita» (Fräulein) oder «Angelito» (Engelchen), weil sie keinen Stachel hat und sehr klein ist, gerade einmal vier bis fünf Millimeter lang. Das Fehlen eines Stachels macht den Umgang mit diesen Bienen besonders einfach. Ihr Honig wird nicht nur als Nahrungsmittel geschätzt, sondern findet auch in der traditionellen Medizin Verwendung – insbesondere zur Behandlung von Augeninfektionen. In den ländlichen Gegenden sind die «Señoritas» ebenfalls weit verbreitet. Aber es gibt ein Problem: Die Bienennester werden leider oft zerstört, damit man an den Honig gelangt. William war daran interessiert, diesen köstlichen Honig zu gewinnen.
Vor allem aber wollte er lernen, wie man die Bienenstöcke zum richtigen Zeitpunkt teilt und vermehrt. Videos und Artikel im Internet berichten, dass diese Bienenart ein- bis zweimal im Jahr eine Königin hervorbringt, die später einen neuen Bienenstock gründet. Als William zur angegebenen Zeit in zwei der drei Bienenstöcke je eine Königin fand, gelang es ihm, diese zusammen mit einem Teil des Nests in neue Bienenhäuser umzusiedeln und so neue Kolonien zu starten.
Im Rahmen unseres Dorfentwicklungsprojekts zeigen wir Menschen in ländlichen Gebieten, wie sie vorhandene Ressourcen nachhaltig und effektiv nutzen können. Wir schulen, stellen Material bereit und unterstützen bei der Umsetzung von Projektaktivitäten wie Wasserversorgung, Hühnerzucht und Gemüsegärten. William vermittelte unseren Projektbetreuern vor Ort, dass die Kolonien der Tetragonisca angustula durch fachgerechten Umgang nicht nur erhalten, sondern vermehrt werden können. Einer von ihnen, Ignacio Garcia, kam bei nächster Gelegenheit nach Santa Cruz, um sich die Bienenkolonien vor Ort anzusehen und Material für erste Bienenhäuschen in LomerÃo mitzunehmen. Zu Hause siedelte er als erstes ein Bienenvolk um, das vor seinem Haus in einem alten Baumstamm wohnte. Bald werden die Königinnen gross genug sein, und Ignacio kann dieses Nest teilen. So wird es in LomerÃo immer mehr Bienenvölker und Honig geben. Denn ein neues Projekt zur Dorfentwicklung ist geboren: die Zucht von einheimischen Bienen.
KOLUMNE // THERESE BUCHER
Die Mitarbeiterin von Agape international lebt und
arbeitet seit 31 Jahren in Santa Cruz, Bolivien. Mit
ihrem Mann William Vaca Pierola leitet sie Projekte,
die Menschen ermöglichen, einen Weg aus der
Armut und in eine Beziehung mit Gott zu fi nden.
agape.ch

„*“ zeigt erforderliche Felder an