Kinder sind «Wurzelflügelwesen». Der Kinderarzt und Wissenschaftler Herbert Renz-Polster fordert Eltern dazu auf, Kinder als solche Wesen wahrzunehmen und sie auch so zu behandeln. Wurzeln und Flügel für Sicherheit und Exploration –  bekannte Bilder. Nicht sehr originell, denke ich beim Lesen des Interviews mit dem besagten Experten, einer der profiliertesten Stimmen in deutschen Erziehungsdebatten. Trotz ausgetrampelter Bildsprachpfaden, bleibe ich interessiert hängen. Seine Gegenwartsbeobachtungen sind sehr präzise und schlüssig. Was Eltern heute besser machten als frühere Generationen: Mit dem Kind in Verbindung stehen, seine Bedürfnisse erkennen, darauf eingehen, es emotional gut versorgen und dabei selbst authentisch sein. Das ist doch schon mal eine Errungenschaft, denke ich mir. Dafür, dass wir autoritäre Erziehung, Kälte, Distanz und emotionale Unzulänglichkeit hinter uns gelassen haben, dürften wir uns gegenseitig auf die Schultern klopfen. Sichere Bindung, Nähe und Zugehörigkeit – Check! Wurzelbildung haben wir jetzt drauf. Die Krux: Beim Fokus auf das warme, sichere Erdreich, haben wir das Flügeltraining vernachlässigt. Man kann halt auch nicht alles, Herr Renz-Polster, will ich instinktiv rufen. Trotzdem freunde ich mich mit der Idee an, bei Bewusstwerden von Einseitigkeit, der schwächeren Seite wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. 

Konkret sah das so aus: Meine 13-Jährige Tochter stieg nach einem langen Schultag vor dem Gymnasium mit ein paar Mitschülerinnen und Mitschülern in den falschen Bus. Sie wurden nicht zum Bahnhof transportiert, sondern ohne Halt bis in ein umliegendes Dorf. 25 Minuten in die komplett falsche Richtung. Sie schrieb mir während der Busfahrt eine Nachricht. Wie doof das alles! Wie müde sie sei. Wie spät das jetzt werde. Wie sie jetzt die Klavierstunde verpassen werde. Und am wichtigsten: Wie sicher alle anderen jetzt von ihren Eltern mit dem Auto abgeholt würden. Mit ihrem letzten Punkt lag sie höchstwahrscheinlich richtig. Ich schrieb, dies sei die perfekte Gelegenheit für sie, ihre ÖV-Skills unter Beweis zu stellen. Sie schaffe das ganz bestimmt. Wir sähen uns zum Nachtessen. Sie fand meine Nachricht gar nicht witzig. (Vielleicht hätte ich auf den Zwinkersmiley verzichten sollen.) Mit eineinhalb Stunden Verspätung zu Hause angekommen, warf sie mir vor, ich würde es mit meiner Konsequenz und Strenge übertreiben. Ich hätte sie in einer Notlage einfach im Stich gelassen. 

Es folgte ein klärendes Gespräch. Bei der Notlage hängte ich ein. War sie tatsächlich in Gefahr oder einfach nur in eine unangenehme Situation geraten? Wie konnte die Sache angegangen werden und entspricht dieser Handlungsspielraum den Problemlösefähigkeiten einer 13-Jährigen? Macht es nicht ein bisschen stolz, dass dieses Abenteuer autonom bestritten wurde? Langsam waren wir wieder einer Meinung. Eine kurze Predigt konnte ich mir nicht verkneifen.Genau das nenne man übrigens Selbstwirksamkeit. Man wachse an eigenen Erfahrungen und an den Herausforderungen, die man meistert.  

Ich will mich nicht über Elterntaxis echauffieren. Sie stehen hier lediglich symbolisch für elterliches Überinvolviertsein und Kontrollbedürfnis. Es verhindert, dass Kinder überhaupt mal die Flügel ausspannen und ausprobieren können, ob sie tragen. Herbert Renz-Polsters Bild der Wurzelflügelwesen hilft an diesem Punkt trotz Abgedroschenheit weiter. Wurzeln sollten keine Endstation, sondern Sprungbrett sein. Ich wünsche mir, dass mein Kind aus unserer Verbindung heraus das Eigene versucht. Ich will nicht nur Wurzelgebende, sondern auch Ermöglicherin sein. Man kann Kinder nicht stark machen. Sie müssen selbst stark werden. 

Unterziehe dich einer Wurzel-Flügel-Analyse. Wie stark oder schwach bist du in diesen unterschiedlichen, elterlichen Aufgaben?

Flügelraum entsteht nicht einfach so. Was kannst du tun, damit er geschaffen wird?

Auf die aktuelle Entwicklungsstufe deines Kindes geblickt: Was könnten 1-2 konkrete Gelegenheiten für die Erfahrung von Selbstwirksamkeit sein?

Die Reihenfolge ist ungewöhnlich: erst der Ausgang, dann der Eingang. Eigentlich fangen wir doch beim Eingang an – wenn wir ein Gebäude betreten, den Zug besteigen oder einen Besuch machen. So lautet 5. Mose 28,6: Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang und gesegnet wirst du sein bei deinem Ausgang. Oder in Johannes 10,9 verspricht Jesus: Ich bin die Tür [für die Schafe]. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. «Weide» steht als Bild für Nahrung und Ver sorgung, Raum zum Leben, ein Wirkungsfeld mit Be wegungsfreiheit. Diese und andere Bibelworte ermutigen uns, beim Ein- und Ausgehen mit Gottes Schutz und Segen zu rechnen. So weit, so gut.

Doch hier in Psalm 121,8 ist die Reihenfolge umgedreht. Dadurch eröffnet sich eine spannende Perspektive in Bezug auf Übergänge im Leben. Zum Beispiel beim Wechsel von einer Arbeitsstelle zu einem neuen Job, beim Abschluss der Ausbildung und dem Einstieg ins Berufsleben, oder – wie aktuell bei mir – beim Beenden des offiziellen Berufslebens und dem Eintreten in den Stand der Pensionierung. Auch der Verlust oder die Trennung von Menschen und das Hineinfinden in ein neues Beziehungsfeld gehören dazu. Die Reihenfolge Ausgang-Eingang bedeutet dann, dass zuerst unser «Ausgang» – oder Abgang – gut, abgerundet und versöhnt sein sollte, bevor der «Eingang» ins Neue gelingen kann. Es scheint wichtig, dass wir, um neu anzufangen, gut aufhören und Vergangenes sorgfältig abschliessen.

Leider geht das im Leben nicht immer reibungslos und geradlinig ab. Manchmal treffen uns Ausgänge und Abgänge unvorbereitet, können ungerecht, schmerzhaft und traurig sein. Umso entscheidender ist es dann, nicht einfach blindlings in Neues hineinzustolpern, sondern – gerade mit Psalm 121,8 als Verheissung – Gott als Hüter und Bewahrer zunächst in unseren «Ausgang» einzubeziehen: Wo wir von einer Ausgangserfahrung noch verletzt sind, vor Gott zu klagen, zu trauern, uns mit seiner Hilfe mit dem, was gewesen ist, auszusöhnen. Wo ein Ausgang noch ansteht, mit Gott und Freunden darüber zu reden, wie wir diesen Abschlussprozess konstruktiv und mit Stil gestalten wollen.

Schliesslich heisst es noch: von nun an bis in Ewigkeit. Wir dürfen in Anlehnung an Hebräer 13,7 und Psalm 73,24 Gott vertrauen, dass er uns auch im Hinblick auf den Ausgang aus diesem Leben behütet und be wahrt: dass er uns dabei hilft, dass wir «gut enden», und uns entsprech end leitet und zubereitet für den Eingang in seine neue Welt.

1. Februar 2025, Flughafen Zürich, 18.00 Uhr, 3 °C:

Werbungen für Zigarren und Kaviar buhlen um meine Aufmerksamkeit. Herren im Anzug hetzen mit ihren schic ken Rollkoffern an mir vorbei. Eine junge Frau verrenkt sich für das perfekte Selfie. Ich steige ins Flugzeug.

2. Februar 2025, Flughafen Ouagadougou, 15.00 Uhr, 32 °C:

Ich verlasse das Flugzeug und steige die Treppe zum Roll feld hinunter. Es ist gleissend hell. Meine Seele saugt das Licht auf wie ein Schwamm. Freundliche Be amte begrüssen mich. Sie prüfen meinen Impfausweis und mein Visum.

3. Februar 2025, Seminarraum in Ouagadougou, 8.00 Uhr, 22 °C:

Ich habe stechende Kopfschmerzen. Im Eiltempo versuche ich, die kulturellen Eigenheiten der Menschen in Ouagadougou zu erfassen: wie sie sich kleiden, sich begrüssen, sprechen, bewegen. Welche Tischma nieren als höflich gelten. Und wie ich mich als Frau zu verhalten habe. Ich halte meine Beobachtungen im Tagebuch fest. Irgendwie muss ich meinen Kopf frei bekommen. In 30 Minuten beginnt das Seminar «Erfolgreich Studieren – Training für Trainer». Ich werde heute zum ersten Mal selbst eine Lektion unterrichten.

5. Februar 2025, im Haus von Badiou und Haoua in O., 19.00 Uhr, 34 °C:

Nach diesen wenigen Tagen kommt es mir vor, als hätte mich jemand in einen Dokumentarfilm gebeamt. Die Bilder sind zwar vertraut, werden aber stets durch neue Geräusche und Gerüche ergänzt. Und durch Men schen. Ich wohne bei Badiou und Haoua, unseren einheimischen Partnern. Als meine Kulturführer beantworten sie meine Fragen und helfen mir dabei, meine Beobachtungen einzuordnen. Wir sprechen über Teenies, Strassenverkehr, nigerianische Filme, Haarausfall und Re zepte. Und darüber, wie sie versuchen, ihre Termine in den Griff zu kriegen, und über Herausforderungen in familiären Beziehungen. Vielleicht ist ihre Welt ja doch nicht so anders?

10. Februar 2025, zuhause in Grabs, 11.00 Uhr, 2 °C:

Die Waschmaschine rattert und wäscht den afrikani schen Staub aus meinen Kleidern. Währenddessen versuche ich, den Eindrücken aus der vergangenen Woche hinterherzukommen. In meinem Tagebuch halte ich fest: «Auf der nächsten Reise unbedingt mehr Zeit für den Übergang von der einen in die andere Kultur einplanen!» Ob 24 Stunden mehr wohl reichen?

Eines haben viele Übergänge gemeinsam: Sie sind kratzbürstig und unbequem. Ich habe es mir angewöhnt, als Leiter immer wieder aktiv das Unbequeme zu suchen. Mein Naturell bevorzugt eigentlich Harmonie und Schmerzvermeidung. Tatsächlich aber haben die meisten Systeme einen natürlichen Hang zum Gleichgewicht – wie Moleküle in einem System, die sich so lange verteilen, bis sie maximale Entropie erreicht haben. Dann gibt es jedoch keine Bewegung mehr im System, es gilt als tot. An vielen Orten, in Teams und Projekten habe ich immer wieder dasselbe erlebt: Es wird fröhlich über Change gesprochen, aber sobald Veränderung dann an der Haustür klingelt, kriegt man seinen Hintern nicht vom Sofa hoch. Deshalb suche ich bewusst immer wieder Neues und neue Wege. Die Veränderung ist unser Freund, weil sie uns in Bewegung hält. So eine Störung kann ein Projekt sein, eine neue Teamkonstellation, ein neues System, im Falle von Campus für Christus eine Explo-Konferenz, oder auch einfach nur schon eine neue Kaffeemaschine. Der Umzug des Zürcher Hub-Standortes nach über 40 Jahren am selben Ort war eine notwendige Störung unserer eingefahrenen Arbeitsabläufe und Muster. Der Prozess fühlte sich ähnlich an wie das, was das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten erlebte. Erstens schien alles länger zu dauern als erwartet. Zweitens sind wir genau wie das Volk euphorisch aufgebrochen, um dann während der langen Wartezeit zu dem Schluss zu kommen, dass es am alten Ort doch gar nicht so schlimm war. Es kam zu Ermüdungserscheinungen und plötzlich wollten wir gar nicht mehr so dringend ausziehen. Rückblickend lässt sich stellvertretend für viele Dazwischenland-Prozesse sagen: Es war gut und die unbequeme Wegstrecke wert. Wir waren gezwungen, uns mit Systemveränderungen, Paradigmenwechseln und neuen Ministryformen auseinanderzusetzen, miteinander unterwegs zu sein, gemeinsam zu «leiden» und zu hoffen. Dieses Dazwischenland wird als wichtiges Abenteuer in den Memoiren von Campus für Christus einen Platz bekommen. Es hat uns als Bewegung in eine neue Phase gebracht.

Ausharren und anpacken

Manche Übergänge in meinem Leben haben sich angedeutet. Als vor einigen Jahren das erste graue Barthaar auftauchte, um eine nächste Lebensphase anzukündigen, zupfte ich kleiner Don Quichotte es irritiert aus. Es sollte sich als Kampf gegen Windmühlen herausstellen. Die einzelnen Haare waren nur Vorboten eines unausweichlichen Übergangs, wie die ersten Regentropfen, die einen Wetterumschwung ankündigen. Entspannt hat sich die Situation vor dem Spiegel erst wieder, als ich realisiert habe, dass das mein neues Ich ist und es gar keinen Grund gibt, mich gegen das Weis(s)er-Werden zu stemmen.

Dazwischenländer haben mit Wartezeiten zu tun. Auf meine aktivistische Natur wirkt das beschwerend. Sehr gerne würde ich Prozesse anschieben, beschleunigen und das Warten im gefühlten Leerlaufmodus vermeiden. Deshalb bin ich auf Flugreisen so minimalistisch wie möglich unterwegs. Wenn ich nur mit Handgepäck reise, erspart mir das Zeit am Gepäckband, das für mich in die Top 5 der unnötigsten Orte gehört, an die ich keine Lebenszeit verschenken möchte. Viele Dazwischenländer sind leider abkürzungsfrei gebaut. Manche Dinge müssen reifen, und das gilt sehr oft für einen selbst. Ich hatte als Teenager den Traum, dass ich irgendwann einmal in Stadien stehen werde. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass diese Vision nicht aus mir herauskam, aber ich hatte auch keinen Plan, wie sich das für einen kleinen Ostschweizer Dorfjungen bewahrheiten sollte. Deshalb verschwieg ich ihn und vergass ihn bisweilen. Rund zwanzig Jahre später sprach ich innerhalb kurzer Zeit zweimal in einem Stadion in der Schweiz und in Deutschland. Ich erinnerte mich daran, wie Gott mir diesen Traum schon früh ins Herz gelegt hatte. Das persönliche Reifen im Land zwischen Traum und Erfüllung war für mich essenziell wichtig. Wartezeiten sind keine Leerlaufzeiten. Manchmal muss sich erst der Nebel im Leben lichten, bis sich neue Wege abzeichnen. Oder es gilt auszuharren und zu warten, bis sich Umstände ändern, bis sich eine Tür öffnet, bis Gott auftaucht. Bis sich die Wolke erhob, hiess das für das Volk Israel in seiner Wüstenzeit (4. Mose 9,17). Das war das Zeichen, dass es weitergehen sollte. Diese Momente dürfen dann nicht verschlafen und die nötigen Prozesse müssen aktiv gestaltet werden.

Manche Dinge müssen reifen, und das gilt sehr oft für einen selbst.

Umarmen und weiterziehen

Neben Wasser und Kälte – ja, ich wurde diesen Winter zum sonntäglichen Schwimmen im Rhein überredet und mag eigentlich weder Kälte noch Wasser – gibt es noch andere Paarungen, die ausserordentlich schlecht zusammenpassen. Gurke und Schokoladencreme zum Beispiel. Oder Kieswege und Sandalen. Letzteres ist eine schon fast traumatische Kindheitserinnerung, weil ich nicht verstehen kann, wieso ich als Am-Bodensee-Aufwachsender auf den kiesbedeckten Wegen, die das Südufer des Sees säumen, zwingend mit Sandalen beschuht unterwegs sein musste. Im Minutentakt verfing sich so ein fieser Kieselstein zwischen Schuhbett und Fusssohle, um dort quälende Irritationen hervorzurufen. Genau so stelle ich mir die Wartezeiten des Volkes Israel vor, als es sich durch die Sand- und Steinabschnitte der Wüste Sinai bewegte. Und genauso können sich auch Lebensübergänge oder Veränderungsprozesse in Beziehungen oder Organisationen anfühlen: unbequem wie ein Fremdkörper unter der Fusssohle, leicht irritierend bis schmerzhaft. Weil im Gegensatz zum Kieselstein diese Entwicklungsschritte aber wichtig sind, gilt es zu lernen, den Schmerz auszuhalten, das Dazwischenland zu umarmen.

Bei allem Aushalten gilt es, das angestrebte Ziel, das «verheissene Land», nicht aus den Augen zu verlieren. In verschiedenen Change-Prozessen, die ich persönlich miterlebt habe, war die anstrengende Zeit im Dazwischenland oft ein Grund, warum Menschen am Ende ihr angestrebtes Ziel aufgaben. Der Kiesel in der Sandale drückte, der Weg erschien zu anstrengend und zu hochpreisig. Lieber griff man zum Pinsel, um den Status quo golden anzustreichen.

Das ist vielleicht am ehesten vergleichbar mit Mose, der sich in der Wüste Midian bequem eingerichtet hatte. So bequem, dass er seine ursprüngliche Lebensberufung aus den Augen verlor und im Dialog mit Gott alle Gründe vorbrachte, um in diesem Dazwischenland bleiben zu können. Ach Herr, schick doch lieber einen anderen! (2. Mose 4,13) war nach vier erfolglosen Ausreden der letzte klägliche Versuch. Mose hatte sich sein Dazwischenland golden angemalt. Er wollte sich auf keinen Fall dem erahnten Schmerz und den Anstrengungen der Reise durch dieses Land hindurch ins neue Land hinein aussetzen. Die Angst vor dem energetischen Aufwand kann den Blick vernebeln für die Tatsache, dass das Neue zwar nicht immer schmerzfrei, aber immer gut für uns ist, wenn Gott mit uns ist (Jakobus 1,17). Für mich bleibt eine Spannung bestehen: Im Hier und Jetzt leben und gleichzeitig nicht vergessen, den Blick hoffnungsvoll immer mal wieder auf den Horizont zu richten.

Das Dreiländer-Lügeneck

Wie eine Fata Morgana über dem Wüstensand können in unseren Wüstensituationen «Halluzinationen» auftreten: Verklärte Zukunftsträume verweben sich mit schöngefärbten Vergangenheitserinnerungen. Wenn man zu wehmütig mit dem linken Auge nostalgisch nach hinten schaut und gleichzeitig mit dem rechten hoffnungsüberhöht eine unrealistische Zukunft anvisiert, bleibt kein Auge übrig, das den Gestaltungsspielraum im Dazwischenland sieht.

Wenn die Wolke sich hebt, erhebe ich mich auch, wenn sie stehen bleibt, dann bleibe ich mit ihr stehen.

Ich habe mich im Leben auch schon an einem Dreiländer-Lügeneck wiedergefunden. Von dort aus sieht man in alle Richtungen unscharf. Rückblickend wird alles romantisiert. Die Kartoffeln waren gross wie Melonen, früher war alles besser und sowieso war Ägypten doch gar nicht so schlecht (4. Mose 11,3). Man redet sich aus Angst vor Veränderung den Status quo schön, und Manna schmeckt doch gar nicht so übel. Zudem schaut man entweder verklärt in eine unrealistische Zukunft oder findet das zukünftige Land – wegen der Riesen und Menschenfresser – gar nicht mehr erstrebenswert (4. Mose 13,32–33). Wieso überhaupt über den Jordan? Wie einige der Stämme will man einfach lieber bleiben, wo man ist (4. Mose 32,5).

Wir glauben der Lüge, woher wir kommen, wo wir sind und wohin es geht. Und verlieren den Blick für das, wohin Gott uns im Leben eigentlich führen möchte. Dabei galt damals wie heute: Keine von all den Zusagen, die der Herr dem Haus Israel gegeben hatte, war ausgeblieben; jede war in Erfüllung gegangen (Josua 21,45).

Der Dazwischenland-Dreiklang

Ich habe gelernt, mich mit Dazwischenländern zu versöhnen, mich mit ihnen anzufreunden, sie zu umarmen und sie gleichzeitig nicht so fest lieb zu gewinnen, dass ich mich nicht mehr bewegen möchte.

Für mich ist Gottvertrauen eine wichtige Lebensdynamik. Ich vertraue Gott, dass er mit mir unterwegs ist, dass er mich leitet und begleitet. Wenn die Wolke sich hebt, erhebe ich mich auch, wenn sie stehen bleibt, dann bleibe ich mit ihr stehen. Mit den Ländern, durch die ich mich hindurch bewege, möchte ich ehrlich umgehen. Ich will meine eigenen Lügen entlarven und mutig Veränderungen anpacken. Dabei hilft mir der folgende Dreiklang: dankbar über die Schulter schauen, aktiv in der Gegenwart leben, hoffnungsvoll vorwärts blicken.

Dazwischenländer sind kein notwendiges Übel, sondern Teil meines Lebensabenteuers. Denn auch das gesamte Leben selbst ist letztlich nichts anderes als ein Dazwischenland. Von Gott her, gemeinsam mit Gott, auf Gott zu. Es lohnt sich, diese Reise immer wieder ganz bewusst zu gestalten – ausharrend, aktiv und wo immer möglich geniessend.

Zwei Tage vor dem Start der Tour de Suisse Women und einen Tag vor der Athletinnen-Präsentation fand ebenfalls im Zentrum von Gstaad ein Cycling-Gottesdienst statt.

 

Ein Meilenstein war, dass die reformierte Kirchengemeinde und die Möser Church Athletes in Action bei der Durchführung des Gottesdienstes in der Kapelle unterstützten. Es gab Livemusik und spannende Worte von  Pfarrer Peter Klopfenstein zu Philipper 3,12: Es ist also nicht etwa so, dass ich das ´alles` schon erreicht hätte und schon am Ziel wäre. Aber ich setze alles daran, ans Ziel zu kommen und von diesen Dingen Besitz zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat. (NGÜ)

Klopfenstein verstand es, den Bibelvers mit dem Radsport zu verknüpfen. Regula Carrillo, Mitarbeiterin von Athletes in Action sprach über die „Rennvelo-Ausrüstung“  und erinnerte in diesem Zusammenhang an Verheissungen und Worte von Gott, dem Schöpfer. Ihr Resümee: “Ein gelungenes Event, wir freuen uns auf mehr. Glaube und Sport bzw. Radsport ist eine so wertvolle Verbindung. Wir beten für Schutz und viel Segen für die Schweizer Riders und alle Teams, OKs etc. der Tour de Suisse Women and Men.”

Athletes in Action ist ein Ministry von Campus für Christus, das Sport und Glaube zusammen bringt, und die ganzheitliche Entwicklung von Sportlern  fördert – in Projektwochen für Kinder und Jugendliche, Sportcamps sowie in der Begleitung von Leistungsathleten.

Noch kurven Eishockeyspieler über das Eis der Swiss Life Arena. Doch Ende des Jahres werden wir das Eisfeld abdecken und die Bühne der Explo 25 darauf aufbauen. Die Teilnehmenden erwartet ein buntes Programm – gemeinsam werden wir staunen, glauben und feiern. 

«An die Explo 25 haben wir bewusst Personen mit verschiedenen Geschichten und Hintergründen eingeladen – auch internationale Gäste wie Yassir Eric. Jesus nachzufolgen, hat ihn alles gekostet und trotzdem ist er überzeugt, dass es die beste Entscheidung seines Lebens war. Oder Pastor Lia, die eine ganz andere Geschichte mitbringt. Sie hat mit neun Jugendlichen eine Kirche in Singapur gestartet, die heute tausende junge Menschen zählt. Auch Personen aus der Schweiz erzählen, wie sie Gott erleben und seine Liebe weitergeben. Das Team vom Amen Magazin besucht sie und dreht mit ihnen Videoportaits.» Marc Bareth, Co-Leiter Programm Explo 25

Aktuell laufen unzählige Vorbereitungen im Campus Hub in Zürich-Altstetten. Unsere Mitarbeitenden und Volontäre beschäftigen sich mit Brandschutzauflagen, bereiten Aktivitäten fürs Nachmittagsprogramm vor, schreiben Gebetsnewsletter, stecken Flyer in Couverts, beantworten Anfragen, aktualisieren die Webseite, kontrollieren das Budget, stellen Chorarrangements zusammen und koordinieren die Anreise der internationalen Gäste. Bei Adonia laufen Vorbereitungen für das Explo Kids Camp, das parallel zur Explo in Schaffhausen stattfinden wird. Alles damit wir gemeinsam an der Explo Gottes Wirken erfahren und von ihm lernen können, wie er “Himmel auf Erden” versteht.

Melde dich jetzt an für die Explo 25 auf explo.ch und profitiere vom Frühbucherrabatt.

«Die Jordanien Experience war mehr als ein Einblick in ein faszinierendes muslimisches Land – sie war ein tiefgehender Blick in Orte, die Touristen sonst verborgen bleiben. Als Leiterinnen der Jordanien Experience hat es uns tief bewegt, wie gelebter Glaube, praktische Hilfe und mutige Zeugnisse Veränderung bringen können.» Seraina Nüesch und Michèle Marti, Mitarbeiterinnen Agape international

Diesen April reiste ein fünfköpfiges Team aus der Schweiz nach Jordanien, um lokale Projektpartner zu unterstützen. Seraina Nüesch und Michèle Marti leiteten den Einsatz und berichten von ihren Erlebnissen:

Unsere lokalen Projektpartner begleiten Frauen, die Gewalt erfahren haben, ganzheitlich auf ihrem Weg zur Heilung – durch wöchentliche Bibelgruppen, Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen, praktische Unterstützung wie Essenspakete und persönliche Beratung. In diesem geschützten Rahmen begegnen viele Frauen zum ersten Mal Jesus Christus als ihren Erlöser. Obwohl sie wissen, dass ihnen dadurch Verfolgung droht, entscheiden sich viele mutig für ein Leben mit ihm.

Michèle Marti vom Lona Project unterrichtete gemeinsam mit einer Ehrenamtlichen des Einsatzteams das Präventionsprogramm gegen Menschenhandel. In Zukunft möchten unsere Partner dieses Programm in zahlreichen Kleingruppen weitergeben – sowohl vor Ort als auch online. Weitere Informationen zum Lona Project findest du hier.

Ein weiterer Bestandteil der Jordanien Experience waren die Hausbesuche. Wir erlebten, wie eine junge Frau ihr Leben Jesus anvertraute und sogleich von Schwindelattacken und Alpträumen befreit wurde. Junge, mittellose Mütter konnten sich durch Spenden von Agape international eine Nähmaschine leisten – und damit den Grundstein legen, um ihre Familie selbstständig zu ernähren. Während drei kreativen Nachmittagen gestalteten die Frauen Bilder, erzählten von ihren Erfahrungen und gaben berührende Zeugnisse darüber, was Gott in ihrem Leben bewirkt hat.

«Jetzt habe ich begriffen, dass Gott auch, nachdem meine Ehe gescheitert ist, wieder einen Plan A für mich hat.» Mitarbeiter lieben-scheitern-leben

Eine Trennung oder Scheidung verändert alles. Kein Stein bleibt auf dem anderen und viele Fragen tauchen auf. «Lieben-scheitern-leben» ist ein Angebot von FAMILYLIFE. Die Kurse bieten Menschen Unterstützung, egal ob frisch getrennt, geschieden oder die Scheidung schon einige Zeit hinter ihnen liegt. Kurze Inputs schaffen Klarheit und helfen, die Situation zu verstehen und Worte zu finden. In Kleingruppen besprechen die Teilnehmenden das Gehörte und erleben Gemeinschaft. Mehr über lieben-scheitern-leben erfährst du hier.

«Alphalive hat meinen Blick auf Gott und mein Leben geweitet. Innerhalb von ein paar Wochen sind wir zu einer tollen Gemeinschaft zusammengewachsen. Hier habe ich neue Freunde und Zuversicht gefunden.» Teilnehmer Alphalive

Die Alphalive YOUTH Series ist eine Chance, die jungen Generationen zu erreichen und ihnen zu helfen, ihre Fragen im Glauben und Leben zu beantworten. Mit bewegenden Geschichten und ehrlichen Gesprächen bietet die neue Alphalive YOUTH Serie einen Raum, in dem die Jugendlichen ihre eigene Reise beginnen und dabei Gottes Liebe begegnen können. Die zehn neuen Folgen inkl. Bonusmaterial erscheinen im September 2025 auf Deutsch. Mehr Informationen erhältst du hier.

«Ich wurde zweimal fast umgebracht und bekam mit 16 Jahren ein Baby. In HopeTown hat sich mein Leben verändert. Ich wohne im Jüngerschaftshaus Eden und lerne im Praktikum Nähen und Lederbearbeitung. Die klaren Strukturen fordern viel von mir, aber ich weiss, dass Gott mich liebt und die Menschen hier das Beste für mich wollen.» Roshni, Trainee in HopeTown

Die HopeTown-Gemeinschaft fördert die ganzheitliche Entwicklung von Jugendlichen im Township in Ocean View, Südafrika. Zu ihrer Familie gehören junge Menschen aus schwierigen Verhältnissen. Mit Gottes Liebe als Fundament werden sie durch Gemeinschaft, Bildung und Mentoring befähigt, in ein sinnerfülltes Leben hineinzuwachsen. Mehr über HopeTown erfährst du hier.

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